Veröffentlicht am Mai 11, 2024

Der Schlüssel zum perfekten Oversize-Look liegt nicht darin, den Körper zu verstecken, sondern ihn mit bewusster Architektur zu umrahmen.

  • Feste Strukturen (z. B. Schulterpolster, steife Stoffe) schaffen definierte Linien und verhindern eine formlose Silhouette.
  • Fliessende Elemente (z. B. Seide, Gürtel) deuten die Körperform an, ohne aufzutragen, und sorgen für feminine Eleganz.

Empfehlung: Konzentrieren Sie sich darauf, in jedem Outfit einen klaren visuellen Ankerpunkt (z. B. betonte Taille, freie Knöchel, definierter Kragen) zu schaffen, um dem Auge eine klare Form zu geben.

Die Liebe zu weiter, bequemer Kleidung ist ein universelles Gefühl. Ein grosser Pullover, ein weites Hemd – sie versprechen Komfort und Lässigkeit. Doch schnell schlägt die Freude in Frustration um: Der Spiegel zeigt keine stilbewusste Frau, sondern eine Silhouette, die im Stoff versinkt, unförmig und verloren. Die Angst vor dem gefürchteten „Kartoffelsack-Look“ ist real und hält viele Frauen davon ab, diesen komfortablen Trend selbstbewusst zu tragen.

Die gängigen Ratschläge sind bekannt: Man solle Weites mit Schmalem kombinieren oder einfach einen Gürtel um die Taille binden. Diese Regeln haben ihre Berechtigung, kratzen aber nur an der Oberfläche. Sie erklären nicht, warum ein All-Over-Wide-Look bei einer Modebloggerin fantastisch aussieht, während man selbst darin untergeht. Sie verraten auch nicht, warum das Oversize-Hemd aus der Männerabteilung oft besser sitzt als die speziell für Damen entworfene weite Bluse. Der Grund liegt tiefer als in einfachen Kombinationsregeln.

Was wäre, wenn der wahre Schlüssel nicht in starren Regeln, sondern im bewussten Verständnis von Form und Material liegt? Die Lösung ist die Silhouetten-Architektur: die Kunst, durch das gezielte Zusammenspiel von festen Strukturen und fliessenden Konturen eine gewollte Form zu konstruieren. Es geht darum, dem Auge klare Linien und Ankerpunkte zu geben, anstatt eine formlose Fläche zu präsentieren. Es ist die Fähigkeit, zwischen Volumen, das aufträgt, und Volumen, das umspielt, zu unterscheiden.

Dieser Artikel führt Sie durch die fundamentalen Prinzipien der Silhouetten-Architektur. Wir entschlüsseln, warum bestimmte Kombinationen funktionieren und andere nicht. Sie werden lernen, wie Sie Strukturgeber gezielt einsetzen, die Intelligenz von Materialien für sich nutzen und am Ende jeden Oversize-Look so meisterhaft stylen, dass Komfort und eine vorteilhafte Silhouette Hand in Hand gehen.

Um die Prinzipien der Silhouetten-Architektur zu meistern, werden wir die folgenden Schlüsselfragen im Detail untersuchen. Jeder Abschnitt baut auf dem vorherigen auf und gibt Ihnen ein umfassendes Verständnis für die Kunst des Oversize-Stylings.

Warum brauchen Sie zu einem weiten Pulli eine schmale Hose?

Die Regel „weites Oberteil zu schmaler Hose“ ist das Fundament des Oversize-Stylings für Einsteiger. Sie ist eine sichere Methode, um eine ausgewogene Silhouette zu schaffen. Der weite Pullover sorgt für Komfort und Lässigkeit, während die schmale Hose – sei es eine Skinny Jeans, eine Leggings oder eine schmal geschnittene Stoffhose – die natürliche Linie der Beine nachzeichnet. Dieser Kontrast schafft einen visuellen Ankerpunkt und verhindert, dass die gesamte Figur unter Stoffmassen verschwindet. Die Proportionen bleiben gewahrt, die Silhouette wirkt gestreckt und bewusst gestaltet, nicht zufällig.

Doch diese Regel ist kein unumstössliches Gesetz. Fortgeschrittene Styling-Expertinnen beweisen, dass auch ein „All-Over-Wide“-Look elegant und vorteilhaft sein kann. Der Schlüssel liegt hier in der Material-Intelligenz. Anstatt auf den Kontrast von Weite und Enge zu setzen, nutzt man den Kontrast von Struktur und Fluss. Ein Look aus weitem Oberteil und weiter Hose funktioniert dann, wenn mindestens eines der Teile aus einem weich fallenden, fliessenden Stoff besteht, der die Körperkontur eher umspielt als verdeckt.

Styling-Beispiel: Der All-Over-Wide Look deutscher Modeblogger

Ein hervorragendes Beispiel zeigt sich oft in den Outfits erfahrener Stil-Ikonen. Eine deutsche Fashion-Bloggerin demonstriert den Trend, indem sie eine Oversize-Jacke zu einer weiten Cargohose kombiniert. Auf den ersten Blick widerspricht dies der Grundregel, doch der Look funktioniert perfekt. Der Grund: Die Jacke hat einen Stretchanteil und ist aus einem dünneren Material, das weich und nah am Körper fällt. Wie in einem Beitrag über weite Trend-Looks erklärt wird, sind fliessende oder dehnbare Stoffe entscheidend, um bei einem komplett weiten Outfit die Figur zu wahren. Die Hose darf Volumen haben, während das Oberteil die Schulterlinie sanft nachzeichnet – die Silhouette bleibt erkennbar und elegant.

Die Antwort auf die Ausgangsfrage ist also differenziert: Sie brauchen eine schmale Hose, wenn Ihr weiter Pullover aus einem steifen, voluminösen Material besteht. Wenn Sie jedoch mit fliessenden Stoffen arbeiten, können Sie die Regeln brechen und auch eine weite Hose kombinieren, um einen modisch anspruchsvollen Look zu kreieren.

Warum sitzen Männerhemden oft besser als Oversize-Blusen für Damen?

Es ist ein bekanntes Phänomen: Man probiert unzählige „Oversize“-Blusen aus der Damenabteilung, die oft sackartig und unvorteilhaft fallen. Dann greift man zum Hemd des Partners oder zu einem Modell aus der Herrenabteilung und der Look sitzt sofort – lässig, aber strukturiert. Der Grund liegt in der unterschiedlichen architektonischen Konstruktion. Ein klassisches Herrenhemd ist ein Meisterwerk der Struktur, während viele Damen-Oversize-Blusen auf eine entstrukturierte Weichheit setzen, die schnell unförmig wirkt.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Schulterpartie. Ein Herrenhemd hat eine klar definierte, oft überschnittene Schulternaht und ist meist aus fester, griffiger Baumwolle gefertigt. Diese Kombination wirkt wie ein Kleiderbügel für den gesamten Look: Sie gibt dem Oberkörper einen klaren Rahmen und eine gerade Linie, von der der restliche Stoff locker nach unten fallen kann. Diese feste Struktur im oberen Bereich – der „Strukturgeber“ – sorgt dafür, dass das Volumen des Hemdes gewollt und nicht zufällig aussieht. Damenblusen hingegen haben oft Raglanärmel oder sind aus sehr weichen, fliessenden Stoffen wie Viskose gefertigt, die keine eigene Form mitbringen und sich einfach über die Schultern legen, was die Formlosigkeit betont.

Nahaufnahme zeigt strukturierte Schulterpartie eines Herrenhemds im Vergleich zur weichen Raglanform einer Damenbluse

Die unterschiedlichen Designphilosophien lassen sich am besten im direkten Vergleich erkennen. Das Herrenhemd dient als architektonisches Element, die Damenbluse oft nur als weiche Hülle.

Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen Unterschiede zusammen, die erklären, warum ein Herrenhemd oft der bessere „Strukturgeber“ für einen Oversize-Look ist. Wie eine Analyse verschiedener Oversize-Stile zeigt, ist die bewusste Wahl von strukturgebenden Elementen der Schlüssel zum Erfolg.

Vergleich: Herrenhemd vs. Damen-Oversize-Bluse
Kriterium Herrenhemd Damen-Oversize-Bluse
Schulterpartie Gerade, überschnittene Schulter Weiche, unstrukturierte Raglanärmel
Silhouette Klare, definierte Linie Fliessend, oft sackartig
Material Meist steifere Baumwolle Oft weiche Viskose oder Seide
Styling-Potential Vielseitig: Als Shacket, mit Gürtel, asymmetrisch Begrenzt: Meist nur locker fallend

Darf der Blazer im Meeting wirklich drei Nummern zu gross sein?

Die Vorstellung, in einem formellen Meeting mit einem Blazer zu erscheinen, der „drei Nummern zu gross“ wirkt, mag zunächst befremdlich klingen. Doch die Antwort aus der Modewelt ist ein klares Ja – vorausgesetzt, es handelt sich um den richtigen Blazer. Der Oversize-Blazer hat sich von einem kurzlebigen Trend zu einem etablierten Power-Piece entwickelt. Seine anhaltende Relevanz bestätigt, dass es sich hierbei um mehr als eine modische Laune handelt; es ist eine Haltung, die Komfort mit Autorität verbindet.

Ein Oversize-Blazer funktioniert im beruflichen Kontext, weil er ein perfekter natürlicher Strukturgeber ist. Im Gegensatz zu einem weichen Strickpullover besitzt ein Blazer eine inhärente Architektur: definierte Schultern (oft durch Polster verstärkt), ein Revers, das eine klare V-Linie schafft, und ein festerer Stoff, der eine Form hält. Selbst in einer grösseren Grösse behält er diese strukturierenden Elemente bei. Er verleiht der Trägerin eine starke, präsente Silhouette, die Selbstbewusstsein ausstrahlt, ohne dabei einzuengen. Die Frage „Ist Oversize noch modern?“ wird von Experten daher einstimmig bejaht.

Definitiv ja. Oversized ist mehr als nur ein vorübergehender Trend; es ist eine Modehaltung, die Komfort und Stil vereint. Designer und Modehäuser setzen auch 2024 auf Oversized-Elemente, was ihre anhaltende Beliebtheit und Relevanz bestätigt.

– Monstyle Trend Report, Oversized Fit: Das Musst Du Zu Diesem Trend Wissen

Entscheidend ist die Balance. Kombinieren Sie den weiten Blazer mit einem schmal geschnittenen Unterteil wie einer Zigarettenhose oder einem Bleistiftrock, um die Proportionen zu wahren. Ein einfaches, hochwertiges Top darunter sorgt dafür, dass der Look fokussiert und professionell bleibt. Der Blazer ist der Star; der Rest des Outfits dient als ruhige, unterstützende Basis. So wird aus „zu gross“ ein Statement von moderner Souveränität.

Wie nutzen Sie Gürtel, um Form in den Kartoffelsack-Look zu bringen?

Ein weites Kleid, eine lange Tunika oder ein Oversize-Hemd können schnell ihre Form verlieren und den Körper unförmig erscheinen lassen. An dieser Stelle kommt der Gürtel ins Spiel – der wohl vielseitigste und effektivste justierbare Strukturgeber in Ihrer Garderobe. Seine Funktion geht weit über das blosse Zusammenhalten von Kleidung hinaus. Ein Gürtel schafft eine Taille, wo vorher keine war, bricht eine grosse Stofffläche auf und formt eine schmeichelhafte X-Silhouette. Er ist das einfachste Werkzeug, um die Kontrolle über das Volumen zurückzugewinnen.

Die Kunst liegt darin, den Gürtel strategisch einzusetzen. Anstatt ihn einfach durch die Gürtelschlaufen einer Hose zu ziehen, wird er zum zentralen Styling-Element über Kleidern, Blazern oder Strickjacken. Ein über einem offenen Oversize-Blazer getragener Gürtel tailliert die Silhouette, ohne die lässige Weite des Blazers zu opfern. Über einem weiten Hemdkleid getragen, verwandelt er einen formlosen Stoffschlauch in ein feminines Outfit mit definierter Mitte. Der Gürtel wird so zum visuellen Ankerpunkt, der dem gesamten Look eine neue Form und Richtung gibt.

Die Wahl des richtigen Gürtels hängt von der Materialität des Kleidungsstücks ab. Ein breiter Ledergürtel kann die Masse eines dicken Strickcardigans bändigen und ihm Struktur verleihen. Ein schmaler, geflochtener Gürtel hingegen passt perfekt zu einer fliessenden Seidentunika, da er die Taille dezent markiert, ohne den leichten Fall des Stoffes zu stören. Hier zeigt sich erneut das Prinzip der Material-Intelligenz in der Praxis.

Ihr Aktionsplan: Gürtel als Formgeber meistern

  1. Über offenen Teilen tragen: Schnallen Sie einen Gürtel über einen offenen Oversize-Blazer oder eine Strickjacke, um sofort eine Taille zu schaffen und die vordere vertikale Linie zu betonen.
  2. Doppelt hält besser: Experimentieren Sie mit zwei schmalen, identischen Gürteln über einem weiten Kleid, um einen modernen, grafischen Effekt zu erzielen.
  3. Material abstimmen: Wählen Sie einen breiten, festen Gürtel (z.B. aus Leder), um voluminösen Strick zu bändigen, und einen schmalen, flexiblen Gürtel für leichte, fliessende Stoffe wie Seide oder Viskose.
  4. Asymmetrisch positionieren: Tragen Sie den Gürtel leicht schräg oder etwas höher in der Empire-Taille, um die Beine optisch zu verlängern und eine dynamischere Silhouette zu erzeugen.

Warum trägt dicker Strick mehr auf als fliessende Seide?

Die Wahl des Stoffes ist vielleicht der entscheidendste, aber am häufigsten übersehene Faktor beim Oversize-Styling. Zwei Pullover können exakt den gleichen weiten Schnitt haben, aber je nachdem, ob sie aus grobem Wollstrick oder feiner Seide gefertigt sind, erzeugen sie eine völlig andere Wirkung. Der Grund liegt in den physikalischen Eigenschaften der Materialien – ihrer Steifigkeit und ihrem Gewicht. Dieses Konzept nennen wir Material-Intelligenz.

Dicker, grober Strick hat eine hohe Eigenschwere und eine gewisse Steifigkeit. Anstatt sich an den Körper zu schmiegen, steht der Stoff von ihm ab. Er schafft eine eigene, voluminöse Form um den Körper herum. Dieses „Abstehen“ fügt der Silhouette sichtbares Volumen hinzu. Wenn also ein bereits weiter Schnitt auf ein Material trifft, das von Natur aus Volumen erzeugt, potenziert sich der auftragende Effekt. Der Pullover wird zu einer starren Hülle, die die darunterliegende Körperform komplett verbirgt und optisch verbreitert.

Seitliche Aufnahme zeigt den Fallunterschied zwischen grobem Wollstrick und fliessendem Seidenstoff

Fliessende Seide oder auch feine Viskose, Tencel oder Kaschmir verhalten sich genau umgekehrt. Diese Stoffe sind weich, leicht und haben wenig Eigengewicht. Sie folgen der Schwerkraft und den Bewegungen des Körpers. Anstatt eine eigene Form zu bilden, drapieren sie sich um die Silhouette und deuten die Konturen von Schultern, Taille und Hüfte an. Selbst bei einem sehr weiten Schnitt bleibt die Grundform des Körpers erkennbar. Das Volumen, das durch den weiten Schnitt entsteht, ist ein bewegliches, fliessendes Volumen, das umspielt statt aufzuträgt.

Der Unterschied ist also fundamental: Dicker Strick kreiert eine neue, grössere Form um den Körper. Fliessende Seide hingegen nutzt die vorhandene Körperform als Leinwand und fällt elegant darüber. Wer also Oversize tragen möchte, ohne aufzutragen, sollte bei voluminösen Teilen wie weiten Hosen oder langen Kleidern bevorzugt zu fliessenden Stoffen greifen. Dicker Strick funktioniert am besten bei Teilen, die gezielt als einziger Volumen-Akzent eingesetzt werden, beispielsweise ein grober Strickpullover zu einer schmalen Hose.

Warum steigert ein gut sitzender Blazer Ihr Selbstvertrauen im Meeting?

Kleidung ist niemals nur eine Hülle; sie ist eine zweite Haut, die unsere Haltung und unser inneres Gefühl massgeblich beeinflusst. Das Konzept der „Enclothed Cognition“ beschreibt genau dieses Phänomen: Die symbolische Bedeutung und die physische Erfahrung des Tragens eines Kleidungsstücks verändern unsere kognitiven Prozesse. In Deutschland, wo laut einer Studie das Interesse an Mode und Trends bei über 70 Millionen Personen liegt, ist das Bewusstsein für die Wirkung von Kleidung tief verankert. Ein gut sitzender Blazer, selbst wenn er oversized ist, ist hierfür das beste Beispiel.

Ein Blazer ist per Definition ein architektonisches Kleidungsstück. Seine klaren Linien, die definierte Schulterpartie und das strukturierte Revers senden nonverbale Signale von Ordnung, Kompetenz und Autorität. Wenn wir ihn anziehen, spüren wir diese Struktur buchstäblich auf unseren Schultern. Diese physische Empfindung von „in Form sein“ überträgt sich auf unsere Psyche. Wir richten uns unbewusst auf, nehmen eine präsentere Haltung ein und fühlen uns dadurch kompetenter und selbstsicherer. Der Blazer fungiert als eine Art Rüstung, die uns nicht nur vor den Blicken anderer schützt, sondern uns auch innerlich stärkt.

Das „gut sitzend“ ist hierbei entscheidend, bezieht sich aber nicht auf „eng anliegend“. Ein gut sitzender Oversize-Blazer hat an den richtigen Stellen Struktur: Die Schulternaht sitzt an der optimalen Stelle (auch wenn sie überschnitten ist), die Ärmellänge ist korrekt und der Stoff fällt so, dass er Bewegung zulässt, ohne formlos zu wirken. Er engt nicht ein, sondern gibt Raum und schafft gleichzeitig eine starke, klare Silhouette. Diese Kombination aus Komfort und Struktur ist der ultimative psychologische Vorteil. Sie fühlen sich wohl und unangestrengt, strahlen aber gleichzeitig Professionalität und Kontrolle aus.

Im Meeting bedeutet dies, dass Sie sich voll und ganz auf den Inhalt konzentrieren können, weil Ihre „zweite Haut“ bereits die gewünschte nonverbale Botschaft von Selbstvertrauen und Kompetenz sendet. Sie müssen sich nicht fragen, ob Sie angemessen gekleidet sind – Sie fühlen es. Diese innere Sicherheit ist spürbar und beeinflusst, wie Sie von anderen wahrgenommen werden.

Warum ruiniert ein Rüschen-Top die Wirkung Ihrer puristischen Kette?

Das Geheimnis eines gelungenen Stylings liegt oft in der Hierarchie. Nicht jedes Element eines Outfits kann gleichzeitig die Hauptrolle spielen. Wenn Sie sich für ein besonderes Schmuckstück entscheiden, wie eine puristische, skulpturale Kette, dann sollte dieses auch die ungeteilte Aufmerksamkeit bekommen. Die Kleidung, die Sie dazu tragen, wird zur Leinwand. Eine unruhige, detailreiche Leinwand – wie ein Rüschen-Top – stiehlt dem Kunstwerk die Show.

Der Grund ist das Phänomen des visuellen Rauschens. Ein Rüschen-Top besitzt bereits eine komplexe eigene Textur, Licht- und Schatten-Spiele und eine Vielzahl kleiner, bewegter Linien. Es erzeugt eine hohe Dichte an visuellen Informationen. Eine schlichte, puristische Kette hingegen basiert auf der Kraft einer einzigen, klaren Linie oder Form. Ihr Reiz liegt in ihrer Einfachheit und Eleganz. Wenn diese klare Linie auf den unruhigen Hintergrund der Rüschen trifft, geht sie unter. Das Auge weiss nicht, wohin es schauen soll. Die beiden Elemente konkurrieren um Aufmerksamkeit, anstatt sich gegenseitig zu ergänzen.

Um die Wirkung Ihrer puristischen Kette zu maximieren, benötigt sie einen ruhigen, klaren Hintergrund. Ein schlichter Rollkragenpullover, ein einfaches T-Shirt aus hochwertiger Baumwolle oder eine seidene Bluse ohne Kragen sind die perfekten Partner. Sie stellen die „Leinwand“ bereit, auf der die Kette als solitärer visueller Ankerpunkt wirken kann. Der Kontrast zwischen der einfachen Fläche des Stoffes und der klaren Form des Schmucks erzeugt eine Spannung, die den Blick anzieht und das Design des Schmuckstücks zur Geltung bringt.

Das bedeutet nicht, dass Rüschen-Tops keinen Platz in einer stilvollen Garderobe haben. Sie sind selbst ein starkes Statement-Piece. Wenn Sie ein Rüschen-Top tragen, machen Sie es zum Hauptdarsteller und halten den Schmuck minimal – vielleicht nur kleine Ohrstecker oder gar keinen Halsschmuck. Oder Sie setzen bewusst auf einen Stilbruch und kombinieren das feminine Rüschen-Top mit androgynen Elementen wie einer strengen Lederhose, um eine neue, interessante Spannung zu erzeugen. Die Regel bleibt jedoch: Ein Star pro Bühne.

Das Wichtigste in Kürze

  • Balance zwischen Struktur und Fluss: Kombinieren Sie immer ein formstabiles Element (z.B. Blazer, festes Hemd) mit einem weich fallenden Stück, um die Silhouette zu definieren.
  • Material-Intelligenz nutzen: Bevorzugen Sie für All-Over-Wide-Looks fliessende Stoffe (Seide, Viskose), da steife Materialien (dicker Strick) zusätzliches Volumen schaffen und auftragen.
  • Einen visuellen Ankerpunkt schaffen: Jedes Oversize-Outfit benötigt einen Fokuspunkt – sei es eine durch einen Gürtel betonte Taille, freiliegende Handgelenke oder ein scharfer Kragen –, um Formlosigkeit zu vermeiden.

Wie sehen Sie in Jogginghosen so gut aus, dass Sie dem Postboten öffnen können?

Die Jogginghose hat ihr unschönes „Schlabberlook“-Image längst abgelegt und ist unter dem Begriff „Loungewear“ gesellschaftsfähig geworden. Das deutsche Konzept der Gemütlichkeit hat eine stilvolle Aufwertung erfahren. Die Herausforderung besteht darin, den schmalen Grat zwischen ultimativem Komfort und gepflegtem Erscheinungsbild zu meistern. Die Lösung liegt auch hier in der bewussten Anwendung der Prinzipien von Material-Intelligenz und dem Hinzufügen von Struktur.

Erstens: Nicht jede Jogginghose ist gleich. Investieren Sie in ein Modell aus hochwertigen Materialien. Eine Hose aus schwerer Bio-Baumwolle, weichem Tencel oder einem Kaschmir-Mix hat einen besseren Fall und eine edlere Anmutung als ein dünnes Modell aus ausgeleiertem Jersey oder glänzendem Sport-Polyester. Deutsche Marken wie Armedangels oder Closed haben diesen Trend erkannt und bieten stilvolle Loungewear an, die Komfort und Ästhetik vereint. Die Material-Intelligenz ist der erste Schritt, um den Look aufzuwerten.

Zweitens: Brechen Sie die Weichheit der Jogginghose mit einem gezielten Strukturgeber. Der einfachste Trick ist, die Jogginghose mit einem hochwertigen, gegensätzlichen Oberteil zu kombinieren. Ein gut sitzender Kaschmirpullover, ein schlichtes Breton-Shirt oder sogar ein Oversize-Hemd aus fester Baumwolle werten den Look sofort auf. Der ultimative Trick für einen Look, der auch ausserhalb der eigenen vier Wände funktioniert, ist das Hinzufügen einer dritten, strukturierenden Schicht: Werfen Sie einen klassischen Trenchcoat, einen Wollmantel mit klaren Linien oder einen Oversize-Blazer über das Outfit. Diese äussere Schicht gibt dem gesamten Look einen Rahmen und eine bewusste Form.

Accessoires sind der letzte Schliff. Tauschen Sie Hausschuhe gegen saubere, minimalistische Sneaker oder Loafer. Eine strukturierte Handtasche anstelle eines Stoffbeutels und eine klassische Uhr signalisieren, dass dieser Look bewusst gewählt und nicht dem Zufall überlassen wurde. So wird aus der Jogginghose die Basis für ein durchdachtes, lässig-elegantes Outfit, in dem Sie sich nicht nur wohlfühlen, sondern auch jederzeit repräsentabel sind.

Beginnen Sie noch heute damit, diese Prinzipien anzuwenden, und verwandeln Sie Ihren Komfort-Look in ein Statement von bewusstem Stil. Analysieren Sie Ihre Lieblingsteile nach ihrer Struktur und ihrem Fall und kreieren Sie Outfits, die Ihre Persönlichkeit unterstreichen, ohne Ihre Form zu verbergen.

Geschrieben von Verena Hartmann, Verena Hartmann ist eine zertifizierte Imageberaterin und Personal Shopperin aus Düsseldorf mit über 12 Jahren Erfahrung in der Modebranche. Sie ist spezialisiert auf den Aufbau funktionaler Capsule Wardrobes und Business-Styling für Führungskräfte.