Veröffentlicht am März 15, 2024

Der Schlüssel zu einem souveränen Stil liegt nicht im Kaschieren von Problemzonen, sondern im Verständnis für die Architektur von Kleidung und die Harmonie der Proportionen.

  • Die richtige Basis (ein perfekt sitzender BH) ist das Fundament jedes Outfits.
  • Ihre exakten Körpermasse sind verlässlicher als jede Konfektionsgrösse einer Marke.
  • Kleine, gezielte Investitionen in eine Änderungsschneiderei verwandeln Kleidung von der Stange in massgeschneiderte Lieblingsstücke.

Empfehlung: Beginnen Sie nicht mit dem Kauf neuer Kleidung, sondern mit einem ehrlichen Audit Ihres Kleiderschranks, um das Potenzial Ihrer vorhandenen Garderobe zu erkennen.

Kennen Sie das Gefühl? Sie stehen vor dem Spiegel, tragen ein Outfit, das an der Schaufensterpuppe oder dem Model im Onlineshop umwerfend aussah, aber an Ihnen wirkt es einfach… anders. Gerade für Frauen, die die typisch deutschen Durchschnittsgrössen zwischen 40 und 44 tragen, ist dieser Moment oft von Frustration begleitet. Man ist weder zierlich noch „Plus-Size“, doch die Mode scheint oft nur für diese beiden Extreme gemacht zu sein. Viele Ratgeber empfehlen dann altbekannte Tricks: dunkle Farben tragen, Problemzonen mit weiten Stoffen umspielen oder durch auffällige Accessoires ablenken. Diese Ratschläge behandeln den Körper jedoch wie ein Problem, das es zu verstecken gilt.

Aber was, wenn der wahre Schlüssel zu einem Stil, in dem Sie sich wohl und selbstbewusst fühlen, gar nicht im Kaschieren liegt? Was, wenn es darum geht, die Prinzipien von Passform, Proportion und Stofflichkeit zu verstehen – so wie es eine erfahrene Schneiderin tut? Es geht um eine Art Passform-Intelligenz. Statt sich den Trends zu unterwerfen, lernen Sie, die Kleidungsarchitektur zu Ihrem Vorteil zu nutzen. Sie lernen, wie ein Schnitt fällt, wie ein Stoff den Körper umspielt und wie kleine Änderungen eine dramatische Wirkung entfalten können. Dieser Ansatz ist nachhaltiger, persönlicher und vor allem: unglaublich bestärkend.

Dieser Artikel ist Ihr persönlicher Leitfaden aus der Perspektive einer Schneiderin. Wir werden nicht über das Verdecken sprechen, sondern über das bewusste Gestalten. Wir werden die fundamentalen Bausteine eines guten Outfits analysieren, von der unsichtbaren Basis bis hin zu den kleinen Anpassungen, die den grossen Unterschied machen. Ziel ist es, dass Sie nicht nur wissen, *was* Ihnen steht, sondern vor allem *warum* es Ihnen steht, damit Sie zukünftig jede Kaufentscheidung mit Souveränität treffen.

Um Ihnen einen klaren Weg durch diese Prinzipien zu bieten, ist dieser Ratgeber in logische Schritte unterteilt. Jeder Abschnitt baut auf dem vorherigen auf und gibt Ihnen das Wissen an die Hand, das Sie für Ihren ganz persönlichen Stil benötigen.

Warum ruiniert der falsche BH selbst das teuerste Outfit?

Stellen Sie sich vor, Sie bauen ein Haus auf einem wackeligen Fundament. Egal, wie schön die Wände gestrichen oder wie teuer die Möbel sind – die Struktur wird immer instabil sein. Genau das Gleiche passiert mit einem Outfit, das über einem schlecht sitzenden BH getragen wird. Er ist das unsichtbare Fundament Ihrer Silhouette. Studien bestätigen immer wieder, dass schätzungsweise bis zu 80% aller Frauen einen BH in der falschen Grösse tragen, oft ohne es zu wissen. Die Folgen sind nicht nur unbequem, sondern auch optisch fatal: Der Busen sitzt zu tief, quillt an den Seiten über oder das Rückenteil zieht nach oben. Dadurch wird die gesamte Proportion des Oberkörpers gestört, und selbst die edelste Seidenbluse oder der perfekt geschnittene Blazer verlieren ihre Wirkung.

Ein gut sitzender BH hingegen hebt die Brust, zentriert sie und schafft eine glatte, definierte Linie unter der Kleidung. Er definiert die Taille deutlicher, indem er den Abstand zwischen Brust und Hüfte optimiert. Das Ergebnis ist eine aufgeräumte, gestreckte Silhouette, die als perfekte Leinwand für Ihre Kleidung dient. Bevor Sie also in ein neues Kleidungsstück investieren, investieren Sie in eine professionelle BH-Beratung oder nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Passform kritisch zu überprüfen. Es ist der wirkungsvollste und zugleich einfachste Schritt zu einem besseren Gesamtbild.

Achten Sie bei der Anprobe auf die folgenden, entscheidenden Punkte, um die perfekte Passform zu finden:

  • Das Unterbrustband: Es liefert den Grossteil des Halts (ca. 80%) und muss waagerecht und fest am Rücken anliegen, ohne einzuschneiden. Sie sollten noch zwei Finger bequem darunterschieben können.
  • Der Mittelsteg: Das Verbindungsstück zwischen den Körbchen muss flach auf dem Brustbein aufliegen. Klafft er ab, sind die Körbchen zu klein.
  • Das Körbchen: Die Brust sollte das Körbchen vollständig ausfüllen, ohne oben oder an den Seiten herauszuquellen. Es dürfen keine Lücken oder Falten im Stoff entstehen.
  • Die Träger: Sie dienen nur der Feinjustierung und sollten nicht den Hauptteil des Gewichts tragen. Breite, gepolsterte Träger bieten bei einer grösseren Oberweite zusätzlichen Komfort und verhindern das Einschneiden.

Denken Sie daran: Ihre Unterwäsche ist der erste Schritt der Kleidungsarchitektur. Ist das Fundament korrekt, lässt sich alles Weitere viel einfacher und wirkungsvoller darauf aufbauen.

Wie messen Sie Ihre Masse richtig, um Retouren bei Zalando & Co. zu vermeiden?

In einer Welt des Online-Shoppings sind Konfektionsgrössen zu einer reinen Schätzung geworden. Eine Grösse 42 bei einer Marke kann einer 40 bei einer anderen entsprechen. Sich blind auf diese Zahlen zu verlassen, führt unweigerlich zu Frust und einem Berg an Retouren. Die einzige verlässliche Wahrheit sind Ihre eigenen Körpermasse. Sie sind Ihre persönliche ID in der Modewelt. Das korrekte Messen ist kein Hexenwerk, sondern eine einfache Fähigkeit, die Ihnen unzählige Fehlkäufe ersparen wird. Alles, was Sie benötigen, ist ein flexibles Massband und einen ehrlichen Blick in den Spiegel.

Um die wichtigsten Masse zu ermitteln – Brustumfang, Taillenumfang und Hüftumfang – stellen Sie sich in Unterwäsche entspannt vor einen Spiegel. Das Massband sollte dabei immer gerade und parallel zum Boden am Körper anliegen, ohne einzuschnüren oder zu locker zu sein.

Detailaufnahme von Händen mit Massband an Taille, die professionell die Körpermasse nehmen.

Ein besonders gutes Beispiel für die Tücken von Grössensystemen ist die Welt der BHs. Wussten Sie, dass das Körbchenvolumen einer 85D dem einer 80E entspricht? Nur der Unterbrustumfang ist anders. Dieses Prinzip der Kreuzgrössen ist vielen Frauen unbekannt und eine Hauptursache für Fehlkäufe, insbesondere bei internationalen Marken mit abweichenden Grössensystemen. Dieses Beispiel zeigt eindrücklich: Nur wer seine exakten Masse (in diesem Fall Unterbrust- und Brustumfang) kennt und mit den Grössentabellen der jeweiligen Marke abgleicht, kann sicher sein, die richtige Passform zu finden. Verabschieden Sie sich von der Idee einer universellen Grösse und freunden Sie sich mit Ihren Zahlen an.

Diese Zahlen sind Ihr mächtigstes Werkzeug. Notieren Sie sie in Ihrem Handy und vergleichen Sie sie vor jeder Online-Bestellung mit der spezifischen Grössentabelle des Herstellers. Das ist der Unterschied zwischen Hoffen und Wissen.

Kühler oder warmer Typ: Welche Farben lassen Sie auch ungeschminkt frisch aussehen?

Farben sind pure Emotion und haben eine immense psychologische Wirkung. Doch jenseits von persönlichen Vorlieben haben Farben auch eine ganz konkrete, physikalische Eigenschaft: Sie können Ihren Teint entweder zum Strahlen bringen oder ihn fahl und müde wirken lassen. Das Geheimnis liegt im Unterton Ihrer Haut. Die meisten Menschen lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: kühle und warme Farbtypen. Die richtigen Farben harmonieren mit Ihrem Hautunterton und lassen Sie selbst an Tagen, an denen Sie sich nicht danach fühlen, frisch und erholt aussehen.

Ein einfacher Test, um Ihren Typ zu bestimmen, ist der Blick auf die Adern an Ihrem Handgelenk. Erscheinen sie eher bläulich oder violett, gehören Sie wahrscheinlich zum kühlen Typ. Sind sie eher grünlich, deutet das auf einen warmen Typ hin. Kühlen Typen stehen Farben mit einem blauen Unterton wie Pink, Silber, Grau und kräftige Juwelentöne. Warme Typen hingegen blühen in Erdtönen, Olive, Gold, Koralle und warmen Rottönen auf. Es geht nicht darum, bestimmte Farben komplett aus Ihrer Garderobe zu verbannen, sondern darum, die richtige Nuance für sich zu entdecken. Statt eines kühlen Royalblaus könnte einem warmen Typ ein Petrolton viel besser schmeicheln.

Die folgende Tabelle gibt Ihnen eine erste Orientierung, welche Farbwelten Ihre natürliche Ausstrahlung am besten unterstreichen. Betrachten Sie sie als Kompass, nicht als starre Regel. Wie eine aktuelle Stilberatung zeigt, ist Experimentieren der beste Weg, um Ihre persönlichen Kraftfarben zu finden.

Farbwirkung nach Hautton
Farbtyp Vorteilhafte Farben Zu vermeiden Saisonale Anpassung
Kühler Typ Blau, Grau, Pink, Silber Warmes Orange, Gold Im Winter zu Jewel-Tones greifen
Warmer Typ Erdtöne, Gold, Olive, Koralle Kühles Blau, Silber Im Sommer hellere Nuancen wählen

Besonders wirkungsvoll ist diese Erkenntnis bei Kleidungsstücken, die Sie nah am Gesicht tragen – wie Schals, Blusen oder Mäntel. Die richtige Farbe wirkt wie ein Weichzeichner und ein natürlicher Frische-Kick in einem.

Die Gefahr, durch zu viel ‚Matching‘ altbacken zu wirken

Es gibt eine weit verbreitete Annahme, dass ein Outfit besonders durchdacht und elegant wirkt, wenn Schuhe, Tasche und Gürtel farblich exakt aufeinander abgestimmt sind. Während dies in manchen formalen Kontexten noch Gültigkeit haben mag, kann ein Zuviel an „Matching“ im Alltag schnell bieder, uninspiriert und sogar altbacken wirken. Moderne Eleganz entsteht heute oft durch einen bewussten und gekonnten Stilbruch. Es ist die Kunst, verschiedene Stile, Texturen oder Farben so zu kombinieren, dass ein spannungsreiches, aber dennoch harmonisches Gesamtbild entsteht.

Ein solcher Stilbruch kann auf verschiedene Weisen erzielt werden. Kombinieren Sie einen eleganten Blazer mit hochwertigen, schlichten Sneakers. Tragen Sie ein zartes Seidenkleid zu einer robusten Lederjacke. Oder brechen Sie einen monochromen Look in Schwarz, indem Sie eine Tasche in einer leuchtenden Akzentfarbe wählen. Diese unerwarteten Kombinationen zeugen von modischem Selbstbewusstsein und machen einen Look interessant und persönlich. Sie signalisieren, dass Sie die Regeln kennen, sich aber bewusst dafür entscheiden, sie zu Ihrem eigenen Vergnügen zu brechen.

Stilvolle Frau in einem Berliner Strassencafé, die einen eleganten Blazer mit lässigen Sneakers kombiniert und damit einen modernen Stilbruch zeigt.

Eine gute Faustregel, um nicht den Überblick zu verlieren, ist die Drei-Farben-Regel. Ein harmonisches Outfit besteht oft aus nicht mehr als drei Hauptfarben. Dabei sollte eine Farbe dominieren (ca. 60%), eine zweite sie ergänzen (ca. 30%) und eine dritte als kleiner Akzent dienen (ca. 10%). Anstatt exakt den gleichen Blauton zu wiederholen, spielen Sie lieber mit verschiedenen Nuancen einer Farbfamilie – das wirkt viel moderner und anspruchsvoller. Ihre Accessoires sind die perfekte Spielwiese, um mit gezielten Stilbrüchen zu experimentieren und einem schlichten Basis-Outfit eine ganz persönliche Note zu verleihen.

Letztendlich geht es darum, eine Balance zu finden. Ein gezielter Bruch ist aufregend, zu viele Brüche können chaotisch wirken. Vertrauen Sie auf Ihr Gefühl und haben Sie Mut, Unerwartetes zu wagen.

Wie verwandelt eine 15 € Änderungsschneiderei-Investition Ihre Hose komplett?

Es ist eine fast universelle Erfahrung: Laut einer Umfrage bezeichnen fast 90% der Frauen ihren Bauch als eine Zone, auf die sie bei der Kleiderwahl besonders achten. Viele greifen dann zu weiten Oberteilen, um diesen Bereich zu umspielen. Doch oft liegt die Lösung nicht im Oberteil, sondern in der Hose. Eine Hose, die an der Hüfte spannt, im Bund einschneidet oder am Oberschenkel zu eng ist, erzeugt unvorteilhafte Linien und betont genau das, was man vielleicht lieber ausbalancieren möchte. Die meisten Hosen von der Stange sind jedoch für eine standardisierte Figur konzipiert, die die wenigsten von uns haben.

Hier kommt die fast vergessene Magie der Änderungsschneiderei ins Spiel. Eine kleine Investition kann ein Kleidungsstück von „ganz okay“ in „wie für mich gemacht“ verwandeln. Die häufigste und einfachste Änderung ist das Kürzen der Hosenbeine. Nichts lässt eine Figur gestauchter wirken als eine Hose, die sich auf den Schuhen staut. Eine professionelle Kürzung für durchschnittlich 10-15€ in deutschen Städten sorgt für eine saubere, vertikale Linie und lässt die Beine länger wirken. Doch das Potenzial geht weit darüber hinaus. Den Bund einer Jeans für ca. 20-35€ perfekt an Ihre Taille anpassen zu lassen, kann das Tragegefühl und die gesamte Silhouette revolutionieren. Plötzlich sitzt die Hose, ohne zu kneifen, und das Oberteil fällt glatt darüber, ohne sich zu stauen.

Die Änderungsschneiderei ist das Geheimnis hinter jedem gut gekleideten Menschen. Es ist der Schritt, der aus Massenware ein persönliches Einzelstück macht. Bevor Sie eine Hose, die nicht zu 100% passt, zurückschicken oder im Schrank verstauben lassen, fragen Sie sich: Könnte eine kleine Anpassung sie zu meinem neuen Lieblingsstück machen? Oft ist die Antwort ein klares Ja.

Checkliste für Ihren Kleiderschrank-Audit

  1. Bestandsaufnahme der Passform: Nehmen Sie jedes Teil (Hosen, Blazer, Blusen) zur Hand. Wo spannt es? Wo ist es zu weit? Ist die Ärmel- oder Hosenlänge optimal? Machen Sie eine ehrliche Liste der „Problemkandidaten“.
  2. Potenzial identifizieren: Welche dieser Teile lieben Sie vom Stoff, der Farbe oder dem Muster her? Markieren Sie die Stücke, die es wert sind, gerettet zu werden. Eine tolle Hose mit zu langen Beinen ist ein idealer Kandidat.
  3. Kleine Mängel, grosse Wirkung: Überprüfen Sie Knöpfe, Säume und Nähte. Manchmal kann schon das Austauschen von billigen Plastikknöpfen gegen hochwertigere Varianten (Kosten: wenige Euro) ein ganzes Jackett aufwerten.
  4. Stapel bilden: Sortieren Sie Ihre Kleidung in drei Stapel: 1. Perfekte Passform (behalten), 2. Gutes Potenzial (zur Änderungsschneiderei), 3. Passt nicht und ist es nicht wert (spenden oder verkaufen).
  5. Prioritäten setzen: Beginnen Sie mit einem oder zwei Teilen aus dem „Änderungsstapel“. Bringen Sie Ihre Lieblingsjeans zum Kürzen und erleben Sie den Unterschied. Dieser Erfolg wird Sie motivieren, mehr aus Ihrer Garderobe herauszuholen.

Anstatt ständig nach dem perfekten Teil zu jagen, lernen Sie, das Potenzial in dem zu sehen, was Sie bereits besitzen, und es mit kleinem Aufwand perfekt zu machen.

Warum sehen Crop-Tops zu High-Waist-Hosen bei kleinen Frauen vorteilhaft aus?

Crop-Tops haben oft den Ruf, nur für junge Frauen mit flachem Bauch geeignet zu sein. Doch dieses Vorurteil verkennt das enorme Potenzial, das in diesem Schnitt steckt – insbesondere für kleinere Frauen. Der Schlüssel zum Verständnis liegt im Spiel mit den Proportionen. Ein vorteilhaftes Outfit entsteht oft dann, wenn die Beine im Verhältnis zum Oberkörper länger wirken. Genau diesen Effekt erzielt die Kombination aus einem Crop-Top und einer High-Waist-Hose meisterhaft.

Eine High-Waist-Hose, also eine Hose mit hoher Taille, verlegt die optische Gürtellinie nach oben. Das Auge nimmt den Punkt, an dem die Beine beginnen, als höher wahr, wodurch sie automatisch länger und gestreckter erscheinen. Das Crop-Top, das knapp über dem Hosenbund endet, unterstreicht diesen Effekt. Es zeigt genau die schmalste Stelle des Oberkörpers – die Taille – und lässt den Oberkörper gleichzeitig kürzer und kompakter wirken. Dieses Verhältnis von kurzem Oberteil zu langem Unterteil ist eine klassische Methode der optischen Streckung und schmeichelt besonders einer zierlichen Statur.

Wichtig ist hierbei, dass es nicht darum geht, viel Haut zu zeigen. Der Saum des Tops sollte idealerweise nur wenige Zentimeter über dem Bund der Hose enden oder ihn sogar berühren. Es ist ein subtiles Spiel, das die Silhouette neu ausbalanciert. Genau diese Erfahrung macht auch eine Kundin, die ihre Situation teilt:

Mein Problem ist meine Grösse (nur 1,58m). Sämtliche Hosenbeine, Ärmel müssen trotz Kurzgrösse gekürzt werden. Ich werde in Kürze 80 Jahre, bin aber modisch gekleidet.

– Kundin, in einem Modemagazin

Dieses Zitat zeigt wunderbar, dass Stil keine Frage des Alters oder der Körpergrösse ist, sondern des Wissens um die richtigen Schnitte. Die Kombination aus High Waist und einem kürzeren Oberteil ist eine zeitlose Technik, um Proportionen harmonisch zu gestalten.

Experimentieren Sie mit dieser Kombination. Sie werden überrascht sein, wie ein paar Zentimeter in der Länge des Oberteils und der Höhe des Hosenbundes Ihre gesamte Ausstrahlung verändern können.

Warum lassen Low-Rise-Jeans Ihren Oberkörper länger wirken?

Während High-Waist-Hosen die Beine optisch verlängern, bewirken Low-Rise-Jeans genau das Gegenteil: Sie verlagern die Gürtellinie nach unten und lassen dadurch den Oberkörper länger und gestreckter erscheinen. Dieser Effekt kann besonders für Frauen vorteilhaft sein, die einen kurzen Oberkörper im Verhältnis zu ihren Beinen haben und eine ausbalanciertere Proportion schaffen möchten. Auch Frauen mit einer androgynen oder athletischen Figur können von dem tiefen Sitz profitieren, da er die Hüften betont und eine kurvigere Silhouette andeutet.

Die grösste Sorge vieler Frauen bei Low-Rise-Hosen ist die Angst vor dem sogenannten „Muffin-Top“, also dem kleinen Pölsterchen, das über dem Hosenbund quellen kann. Doch dieses Problem ist oft weniger eine Frage der Figur als vielmehr eine der falschen Passform und des falschen Materials. Eine gut sitzende Low-Rise-Jeans sollte an der Hüfte anliegen, ohne einzuschneiden. Moderne Jeans mit einem geringen Stretch-Anteil passen sich dem Körper an, anstatt ihn einzuengen.

Die Kombination ist ebenfalls entscheidend. Statt bauchfreier Tops, die in den frühen 2000ern populär waren, kombiniert man Low-Rise-Jeans heute stilvoller mit längeren, fliessenden Oberteilen, die locker über den Bund fallen. Eine Seidenbluse, ein feiner Strickpullover oder ein Body, der für eine glatte Linie sorgt, sind perfekte Partner. Für viele, die sich an den extrem tiefen Sitz nicht herantrauen, ist auch eine „Mid-Rise“-Jeans, die knapp unter dem Bauchnabel endet, ein hervorragender Kompromiss, der viele Vorteile vereint.

Um den Look souverän zu tragen, sollten Sie auf folgende Details achten:

  • Wählen Sie Jeans mit einem Stretch-Anteil von mindestens 2% Elasthan für mehr Komfort und Flexibilität.
  • Achten Sie auf festeres Denim-Material im Bauchbereich, das leichten Halt gibt.
  • Ein gut sitzender Body oder eine leichte Shapewear als Unterlage können für eine besonders glatte Silhouette sorgen.
  • Kombinieren Sie die Hose mit Oberteilen, die lässig über den Bund reichen, anstatt direkt am Bund zu enden.

Letztendlich gibt es kein Richtig oder Falsch. Ob High, Mid oder Low Rise – die beste Wahl hängt von Ihrer individuellen Körperform und dem gewünschten Effekt ab. Zu wissen, wie jede Variante funktioniert, gibt Ihnen die Freiheit, bewusst zu entscheiden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Fundament ist entscheidend: Ein perfekt sitzender BH ist die unsichtbare Basis, die die gesamte Silhouette Ihres Outfits bestimmt.
  • Zahlen lügen nicht: Verlassen Sie sich auf Ihre exakten Körpermasse, nicht auf willkürliche Konfektionsgrössen. Das ist der Schlüssel zu erfolgreichem Online-Shopping.
  • Perfektion durch Anpassung: Eine kleine Investition in eine Änderungsschneiderei hat eine grössere Wirkung als der Kauf unzähliger neuer, unpassender Teile.

Wie finden Sie Ihren Signature-Look, ohne Trends blind zu folgen?

Trends kommen und gehen, aber wahrer Stil ist zeitlos. Einen Signature-Look zu entwickeln bedeutet, eine persönliche Ästhetik zu finden, die Ihre Persönlichkeit widerspiegelt und in der Sie sich authentisch und selbstbewusst fühlen. Es geht darum, eine Art persönliche „Uniform“ aus hochwertigen, perfekt sitzenden Teilen zusammenzustellen, die Sie immer wieder neu kombinieren können. Dieser Ansatz steht im direkten Gegensatz zum ständigen Jagen nach dem neuesten Trendteil und ist die Essenz der Slow-Fashion-Bewegung.

Gerade im deutschen Designkontext findet sich dieses Prinzip wieder. Ikonen wie Jil Sander haben gezeigt, dass ein Signature-Look oft auf einem minimalistischen Fundament aus neutralen Farben, klaren Schnitten und exzellenten Materialien beruht. Denken Sie an eine perfekt geschnittene weisse Bluse, eine schwarze Hose mit makelloser Passform, einen hochwertigen Kaschmirpullover oder einen zeitlosen Trenchcoat. Diese Signatur-Basics bilden das Rückgrat Ihrer Garderobe. Sie sind die verlässlichen Partner, die immer funktionieren und durch ausgewählte Accessoires oder ein besonderes Einzelteil je nach Anlass und Stimmung variiert werden können.

Ein aufgeräumter Kleiderschrank, der eine sorgfältig kuratierte Capsule Wardrobe mit hochwertigen Basics in neutralen Tönen zeigt.

Der Weg zu Ihrem Signature-Look ist ein Prozess der Reflexion. Fragen Sie sich: In welchen Kleidungsstücken fühle ich mich am besten? Welche Farben und Schnitte kehren in meiner Garderobe immer wieder zurück? Welche Botschaft möchte ich mit meinem Stil aussenden? Es geht darum, die Essenz Ihres Geschmacks zu destillieren. Wenn Sie wissen, was Ihnen steht und warum, werden Sie immun gegen kurzlebige Modediktate. Sie kaufen bewusster, investieren in Qualität statt Quantität und bauen eine Garderobe auf, die Sie über Jahre hinweg begleitet und Ihnen Freude bereitet.

Die Entwicklung eines persönlichen Stils ist die Krönung der modischen Selbstfindung. Es ist die Synthese aus allem, was Sie gelernt haben, und ein Ausdruck Ihrer Persönlichkeit. Nehmen Sie sich die Zeit zu reflektieren, wie Sie Ihren ganz eigenen Signature-Look finden können.

Beginnen Sie Ihre Stilreise nicht mit einem Einkaufsbummel, sondern mit einem liebevollen, aber kritischen Blick in Ihren eigenen Kleiderschrank. Entdecken Sie die Schätze, die bereits da sind, identifizieren Sie, was eine kleine Anpassung benötigt, und definieren Sie, was Ihnen wirklich wichtig ist. Das ist der erste Schritt zu einem Stil, der wirklich Ihrer ist.

Geschrieben von Verena Hartmann, Verena Hartmann ist eine zertifizierte Imageberaterin und Personal Shopperin aus Düsseldorf mit über 12 Jahren Erfahrung in der Modebranche. Sie ist spezialisiert auf den Aufbau funktionaler Capsule Wardrobes und Business-Styling für Führungskräfte.