Veröffentlicht am Mai 11, 2024

Die Haltbarkeit einer Gravur hängt nicht von einer einzigen „besten“ Technik ab, sondern vom Verständnis der Materialphysik: Die Diamantgravur ist eine dauerhafte Verformung des Metalls, während die Lasergravur eine oberflächliche Farbveränderung ist.

  • Die schwarze Laserschrift ist eine Oxidation, die sich durch Reibung abnutzen kann. Die tiefe Diamantgravur ist so langlebig wie das Schmuckstück selbst.
  • Die Lesbarkeit wird nicht durch die Technik, sondern durch den Kontrast, die Schriftgrösse und den verfügbaren Platz (den „Negativraum“) bestimmt.

Empfehlung: Wählen Sie die Diamantgravur für maximale Langlebigkeit und die Lasergravur für komplexe Bilder, aber seien Sie sich der notwendigen Pflege bewusst.

Die Entscheidung für eine Gravur ist oft emotional. Sie möchten einen Moment, einen Namen oder ein Datum für die Ewigkeit festhalten. Doch in meiner Werkstatt sehe ich oft die Enttäuschung, wenn eine einst pechschwarze Laserschrift nach wenigen Jahren verblasst ist oder eine filigrane Diamantgravur kaum lesbar scheint. Die Wahl zwischen Laser- und Diamantgravur wird meist auf eine simple Gegenüberstellung von „schnell und modern“ gegen „klassisch und haltbar“ reduziert. Doch diese Vereinfachung führt zu falschen Erwartungen. Der deutsche Schmuckmarkt ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, mit einem prognostizierten Umsatz von fast 3,11 Milliarden Euro im Jahr 2025, was die Bedeutung hochwertiger und langlebiger Personalisierung unterstreicht.

Die wahre Frage ist nicht, welche Technik pauschal „besser“ ist. Die wahre Kunst liegt darin, die Physik hinter beiden Verfahren zu verstehen und sie gezielt für den jeweiligen Zweck und das Material einzusetzen. Es geht um Materialverdrängung versus Materialveränderung, um die Wirkung von Licht auf polierten Facetten und um das bewusste Spiel mit dem Negativraum. Statt Ihnen also eine einfache Antwort zu geben, nehme ich Sie mit an meine Werkbank. Ich zeige Ihnen, was wirklich im Metall geschieht, warum eine „perfekte“ Maschine niemals die Seele einer Handgravur einfangen kann und wie Sie die richtige Entscheidung für ein Schmuckstück treffen, das Generationen überdauern soll.

In diesem Artikel beleuchten wir die entscheidenden Fragen, die Sie sich vor jeder Gravur stellen sollten. Wir klären die technischen Hintergründe, geben praktische Ratschläge zur Gestaltung und Pflege und zeigen Ihnen, woran Sie echte Handwerkskunst erkennen.

Warum verschwindet die schwarze Laserschrift mit der Zeit, die tiefe Gravur aber nicht?

Dies ist die fundamentalste Frage und der Kern des Missverständnisses. Die Antwort liegt in zwei völlig unterschiedlichen physikalischen Prozessen. Die schwarze Lasergravur, fachlich korrekt eine „Anlassbeschriftung“, ist keine Farbe, die aufgetragen wird. Der Laser erhitzt das Metall an der Oberfläche so stark, dass eine kontrollierte Oxidation stattfindet. Das Ergebnis ist eine hauchdünne, dunkle Schicht – die sogenannte Anlassfarbe. Diese Schicht ist zwar beständig gegen Chemikalien, aber nicht gegen mechanischen Abrieb. Tägliches Tragen, Reibung an Kleidung oder Haut und sogar Schweiss führen dazu, dass diese Oxidschicht über Monate und Jahre langsam abgetragen wird. Das Metall darunter kommt wieder zum Vorschein, die Gravur „verblasst“.

Die Diamant- oder Handgravur hingegen arbeitet nach dem Prinzip der Materialverdrängung. Ein spitzer Diamant oder ein Stichel aus gehärtetem Stahl ritzt oder schneidet physisch in das Metall hinein. Es wird Material zur Seite geschoben oder entfernt, wodurch eine Vertiefung entsteht. Diese Vertiefung ist eine permanente Veränderung der Schmuckstück-Struktur. Sie kann nicht „verblassen“ oder sich abreiben, solange das Schmuckstück selbst existiert. Sie ist so langlebig wie das Material selbst. Die Lesbarkeit entsteht durch den Schattenwurf in der Vertiefung und die Reflexion des Lichts an den Kanten.

Um die Lebensdauer einer Lasergravur zu maximieren, ist die richtige Pflege entscheidend. Hier sind einige grundlegende Tipps aus der Praxis:

  • Reinigen Sie lasergravierten Schmuck regelmässig mit einem weichen, fusselfreien Tuch, um die Oxidation zu verlangsamen.
  • Vermeiden Sie bei schwarzen Lasergravuren den direkten Kontakt mit aggressiven Kosmetika, Parfüm oder Schweiss.
  • Eine tiefere Diamantgravur kann problemlos mit speziellen Schmuckpflegeprodukten gereinigt werden.
  • Bei 925er Sterlingsilber, das zum Anlaufen neigt, kann ein Anlaufschutz helfen, ein ungleichmässiges Verblassen der Gravur zu verhindern.

Wie gut muss Ihr Foto sein, damit es auf dem Anhänger nicht wie ein Fleck aussieht?

Eine Fotogravur per Laser kann ein atemberaubend persönliches Geschenk sein – oder eine herbe Enttäuschung. Der Erfolg hängt fast ausschliesslich von der Qualität der digitalen Vorlage ab. Stellen Sie sich vor, das Foto wird in Tausende kleiner Punkte zerlegt, die der Laser dann auf das Metall brennt. Ist das Ausgangsbild unscharf, kontrastarm oder zu klein, kann der Laser keine klaren Informationen auslesen und das Ergebnis ist ein undefinierbarer, fleckiger Schatten. Ein gutes Foto ist das A und O.

Zwei Faktoren sind entscheidend: Auflösung und Kontrast. Die Auflösung, gemessen in DPI (Dots Per Inch), bestimmt die Detaildichte. Ein niedrig aufgelöstes Bild aus einer WhatsApp-Nachricht wird auf dem Metall pixelig und grob wirken. Ein hochauflösendes Originalfoto hingegen erlaubt dem Laser, feine Nuancen in Gesichtern und Konturen nachzubilden. Ebenso wichtig ist der Kontrast. Ein Bild mit klaren Hell-Dunkel-Unterschieden und einem ruhigen, einfarbigen Hintergrund lässt das Hauptmotiv hervortreten. Ein überladenes Bild mit unruhigem Hintergrund führt zu einem chaotischen Gravurergebnis, da der Laser nicht zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden kann.

Zwei Schmuckanhänger zeigen den Unterschied zwischen hochauflösender und niedrigauflösender Fotogravur

Die Gegenüberstellung macht den Unterschied deutlich: Links ein klares, detailreiches Porträt dank einer hochauflösenden Vorlage, rechts ein verschwommenes Ergebnis aufgrund eines ungeeigneten Bildes. Investieren Sie also Zeit in die Auswahl des richtigen Fotos. Es ist besser, auf eine Fotogravur zu verzichten, als mit einem unschönen Resultat unglücklich zu sein.

Diese Tabelle fasst die technischen Anforderungen für eine optimale Fotogravur zusammen, wie sie im professionellen Umfeld als Standard gelten:

Anforderungen für optimale Fotogravur
Parameter Mindestanforderung Optimal
Auflösung 300 DPI 600 DPI
Pixelmasse 800×800 Pixel 1200×1200 Pixel
Kontrast Mittel Hoch
Hintergrund Einfarbig Neutral/Freigestellt
Dateiquelle Originaldatei Professioneller Scan

Sollten Sie Ihre Gravur schwärzen lassen oder lieber ’natur‘ lassen?

Diese Frage stellt sich primär bei der Diamantgravur, da die Lasergravur per se oft schon eine Schwärzung (Anlassfarbe) erzeugt. Die Entscheidung zwischen einer geschwärzten und einer „natur“ belassenen Gravur ist ein klassischer Kompromiss zwischen maximaler Lesbarkeit und puristischer Ästhetik. Eine Schwärzung – meist eine spezielle Oxidationslösung, die in die Vertiefung eingebracht wird – erzeugt einen starken Kontrast und macht die Schrift aus jedem Blickwinkel und bei fast allen Lichtverhältnissen sofort lesbar.

Die „Natur“-Gravur hingegen verzichtet auf jegliche Farbe. Ihre Lesbarkeit entsteht allein durch das Spiel von Licht und Schatten in den gravierten Linien. Besonders bei der Glanzschnitt-Technik, bei der kleine, polierte Facetten ins Metall geschnitten werden, entsteht ein faszinierendes Funkeln, wenn sich das Licht darin fängt. Diese Art der Gravur ist dezenter, edler und wirkt wie ein integraler Bestandteil des Metalls. Allerdings ist ihre Lesbarkeit stark vom Lichteinfall abhängig. Bei hochglanzpolierten Oberflächen kann sie exzellent zur Geltung kommen, bei matten Oberflächen jedoch fast unsichtbar wirken.

Praxisbeispiel: Schwärzung vs. Natur bei verschiedenen Metallen

Die Erfahrungen der Goldschmiede Auronia zeigen deutlich, wie materialabhängig die Entscheidung ist. Bei hochglanzpoliertem Edelstahl erzielt die Natur-Gravur durch den brillanten Glanzschnitt eine hervorragende Lesbarkeit ohne zusätzliche Schwärzung. Das Licht bricht sich in den feinen Linien und lässt die Schrift aufblitzen. Bei matt gebürstetem Silber hingegen fehlt dieser Reflexionseffekt; hier ist eine Schwärzung für einen klaren Kontrast und gute Lesbarkeit unerlässlich. Für hochwertigen Goldschmuck wird oft die unbehandelte Natur-Gravur bevorzugt, da sie die edle Anmutung des Materials unterstreicht und als die puristischste Form der Veredelung gilt.

Letztendlich ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks und des Materials. Goldschmiedemeister Manfred Stöckl von der Goldschmiede Stöckl in Mainz fasst den Kernkonflikt präzise zusammen:

Die Schwärzung bietet hohe Lesbarkeit, ist aber eine zusätzliche Schicht, die sich abnutzen kann. Die ‚Natur‘-Gravur ist permanent, ihre Lesbarkeit hängt jedoch vom Lichteinfall ab.

– Goldschmiedemeister Manfred Stöckl, Goldschmiede Stöckl Mainz

Warum ist Schreibschrift in Grossbuchstaben technisch fast unlesbar?

Der Wunsch nach einer eleganten Schreibschrift ist verständlich. Doch die Kombination mit ausschliesslicher Grossschreibung führt in der Gravurpraxis fast immer zu einem unleserlichen Ergebnis. Dies ist kein ästhetisches Problem, sondern eine rein physikalische Limitierung des Gravierwerkzeugs. Egal ob Diamantspitze oder Fräser, das Werkzeug hat eine physische Breite (ca. 0,1 mm oder mehr). Schreibschriften sind für ihre verbundenen Buchstaben und überlappenden Linien (Ligaturen) bekannt.

Wenn nun ein Wort in Schreibschrift-Grossbuchstaben graviert wird, überlagern sich die Linien ständig. Der Gravierstichel fährt mehrfach über dieselbe Stelle, wodurch das Material „ausfranst“. Die feinen, eleganten Schwünge verschmelzen zu einem dicken, unkenntlichen Strich. Das Auge kann die einzelnen Buchstabenformen nicht mehr auflösen. Das Resultat ist kein eleganter Schriftzug, sondern ein unleserliches Gekritzel. Dieses Problem betrifft sowohl die Maschinen- als auch die Handgravur.

Nahaufnahme eines gravierten Schmuckstücks zeigt die Problematik überlappender Linien bei Schreibschrift-Grossbuchstaben

Für eine gute Lesbarkeit ist es daher unerlässlich, auf Schreibschrift in reinen Grossbuchstaben zu verzichten. Es gibt jedoch hervorragende Alternativen, um einen eleganten und dennoch lesbaren Text zu erhalten. Eine bewährte Methode ist die Verwendung von Kapitälchen – Grossbuchstaben in der Höhe von Kleinbuchstaben. Eine andere Möglichkeit ist die Kombination aus einem grossen Anfangsbuchstaben in Schreibschrift, gefolgt von Kleinbuchstaben. Für eine besonders klare und zeitlose Ästhetik eignen sich klassische Serifenschriften oder klare Schriften aus dem deutschen Design-Erbe wie die DIN 1451, die auch auf kleinstem Raum exzellent lesbar bleiben.

Warum braucht eine Handgravur 2 Wochen länger als eine Lasergravur?

Der enorme Zeitunterschied zwischen einer Lasergravur und einer Handgravur ist oft schwer nachzuvollziehen. Er erklärt sich aus dem fundamentalen Unterschied zwischen einem automatisierten Maschinenprozess und einem künstlerischen Handwerksakt. Eine Lasergravur ist im Kern ein Druckvorgang: Eine Datei wird an die Maschine gesendet, das Schmuckstück wird eingespannt, und der Laser arbeitet das Motiv in wenigen Minuten ab. Der gesamte Prozess ist schnell, reproduzierbar und erfordert verhältnismässig wenig manuelle Eingriffe.

Eine Handgravur ist das genaue Gegenteil. Es ist ein meditativer, hochkonzentrierter Prozess, der aus vielen Einzelschritten besteht. Zuerst erfolgt die persönliche Beratung und der Entwurf, oft als Handskizze. Dann wird das Design präzise auf das Metall übertragen. Der eigentliche Akt des Gravierens geschieht mit verschiedenen Sticheln, die der Graveur von Hand führt, um unterschiedliche Linienstärken und Effekte zu erzielen. Jeder Schnitt erfordert höchste Konzentration und jahrelange Übung. Ein komplexes Monogramm oder Wappen kann mehrere Stunden oder sogar Tage in Anspruch nehmen. Der Zeitaufwand ist immens, wie Angaben deutscher Graveurmeister bestätigen: Eine Lasergravur benötigt oft nur 15 Minuten für die Einrichtung und 2 Minuten für die Gravur, während eine Handgravur sich über mehrere Stunden an mehreren Tagen erstrecken kann.

Dieser Zeitaufwand ist nicht nur Arbeit, sondern die Erschaffung eines Unikats mit Seele und Charakter. Es ist eine Luxusdienstleistung, die weit über die reine Beschriftung hinausgeht. Goldschmiedemeister Rainer Töpler aus der Ölmühle in Freiburg bringt es auf den Punkt:

Ein Graveurmeister hat eine mehrjährige Ausbildung und oft eine Meisterprüfung bei der Handwerkskammer absolviert. Die persönliche Beratung, der individuelle Entwurf, die Übertragung des Designs und das eigentliche Stechen mit verschiedenen Sticheln – all das rechtfertigt nicht nur die Zeit, sondern positioniert Handgravur als Luxusdienstleistung mit künstlerischem Wert.

– Goldschmiedemeister Rainer Töpler, Goldschmiede in der Ölmühle

Die zwei Wochen Wartezeit sind also nicht nur „Wartezeit“, sondern die aktive Zeit, in der ein Meister ein kleines Kunstwerk erschafft. Die Entscheidung für eine Handgravur ist eine Entscheidung für Individualität, Kunstfertigkeit und einen Wert, der weit über den reinen Materialwert hinausgeht.

Warum wird eine zu lange Gravur auf kleinen Anhängern unleserlich?

„Können Sie noch ‚in ewiger Liebe‘ dazuschreiben?“ Diese Frage höre ich oft. Technisch ist fast alles möglich, aber das Ergebnis ist selten zufriedenstellend. Das Problem bei zu viel Text auf kleiner Fläche ist nicht die Grösse der Buchstaben selbst, sondern das Verschwinden des Raums dazwischen. In der Gestaltungslehre nennen wir diesen entscheidenden Faktor den Negativraum. Es sind die leeren Flächen um und zwischen den Buchstaben, die es unserem Gehirn ermöglichen, die Formen als einzelne Zeichen zu erkennen und zu einem Wort zusammenzusetzen.

Wird zu viel Text auf einen kleinen Anhänger gequetscht, müssen die Buchstaben und der Abstand zwischen ihnen extrem verkleinert werden. Der Negativraum kollabiert. Die Buchstaben verschmelzen optisch zu einer einzigen, unruhigen Linie. Das Auge findet keinen Halt mehr, die Lesbarkeit geht verloren. Es entsteht ein „Textbrei“, obwohl jeder einzelne Buchstabe technisch perfekt graviert sein mag. Wie der Hamburger Goldschmied Jan Spille treffend bemerkt: „Nicht die Buchstaben selbst, sondern der Raum zwischen ihnen ist für die Lesbarkeit entscheidend. Bei zu viel Text auf kleiner Fläche verschwindet dieser negative Raum.“

Weniger ist hier also definitiv mehr. Ein einzelnes Wort, ein Datum oder Initialen wirken auf einem kleinen Anhänger oft kraftvoller und sind deutlich besser lesbar als ein ganzer Satz. Als Graveurmeisterin rate ich immer dazu, die Botschaft auf das Wesentliche zu reduzieren und dem Design Luft zum Atmen zu lassen.

Praktische Faustregeln für optimale Lesbarkeit

  1. Anhängergrösse prüfen: Auf einem runden Anhänger mit 15 mm Durchmesser sollten maximal 10-12 Zeichen pro Zeile stehen. Bei 20 mm sind es bis zu 15-18 Zeichen.
  2. Material berücksichtigen: Bei weichen Metallen wie hochkarätigem Gold muss der Linienabstand leicht erhöht werden, da die Kanten weniger scharf sind.
  3. Alternativen erwägen: Für längere, persönliche Botschaften kann die Gravur eines QR-Codes eine moderne und kreative Lösung sein, der auf eine Webseite mit dem Text verweist.
  4. Symbole nutzen: Ein Herz- oder Unendlichkeitssymbol kann oft mehr aussagen als viele Worte und spart wertvollen Platz.
  5. Schriftart weise wählen: Vermeiden Sie verschnörkelte Schriften für lange Texte. Eine klare, serifenlose Schrift ist immer die sicherste Wahl.

Das Wichtigste in Kürze

  • Physik entscheidet über Haltbarkeit: Diamantgravur ist eine mechanische Vertiefung (dauerhaft), Lasergravur eine chemische Oberflächenveränderung (kann sich abnutzen).
  • Lesbarkeit ist kontextabhängig: Sie wird durch den Kontrast (Schwärzung), die Schriftwahl und vor allem den „Negativraum“ zwischen den Zeichen bestimmt, nicht allein durch die Technik.
  • Handwerk hat Charakter: Was wie ein „Fehler“ aussehen mag (leichte Unregelmässigkeiten, ein Meisterzeichen), ist oft das Siegel für authentische, hochwertige Handarbeit und ein Unikat.

Welche kleinen ‚Fehler‘ sind eigentlich Qualitätsmerkmale echter Handarbeit?

In einer Welt der maschinellen Perfektion haben wir verlernt, die Zeichen echter Handarbeit zu schätzen. Bei einer Handgravur sind minimale Abweichungen und Unregelmässigkeiten keine Fehler, sondern die Signatur des Handwerkers und ein Beweis für Authentizität. Eine Maschine produziert tausend exakt identische Kopien. Ein Mensch erschafft Unikate. Eines der schönsten Beispiele hierfür ist die bereits erwähnte Glanzschnitt-Technik. Ein Graveurmeister führt den Stichel von Hand und variiert den Winkel der Schneide um winzige Bruchteile eines Grades. Diese minimal unterschiedlichen Facetten fangen das Licht auf eine einzigartige, lebendige Weise ein, die kein computergesteuerter Fräser je nachbilden könnte. Dieses Funkeln ist die Seele der Gravur.

Die Glanzschnitt-Technik deutscher Graveurmeister

Deutsche Graveurmeister sind für ihre Präzision in der Glanzschnitt-Technik bekannt. Sie verwenden speziell geformte Stichel, um polierte Facetten in das Metall zu schneiden. Die leichten, von Hand geführten Variationen im Winkel dieser Facetten erzeugen ein unvergleichliches Funkeln, das sich mit der Bewegung des Schmuckstücks verändert. Diese scheinbare „Unregelmässigkeit“ im Lichtspiel ist kein Mangel, sondern das eigentliche Qualitätsmerkmal und der untrügliche Beweis für authentische, meisterliche Handarbeit, die maschinell nicht reproduzierbar ist.

Ein weiteres, oft übersehenes Qualitätsmerkmal ist das Meisterzeichen. Viele Graveure und Goldschmiede in Deutschland besitzen eine eigene, bei der Handwerkskammer registrierte Punze – ein winziges Symbol, das sie dezent neben ihre Arbeit setzen. Dieses Zeichen ist wie die Signatur eines Malers auf einem Gemälde. Es bürgt für die Qualität, die Herkunft und den Stolz des Handwerkers auf sein Werk.

Viele deutsche Graveure und Goldschmiede haben ein eigenes, kleines, punziertes Meisterzeichen, das sie dezent neben der Gravur anbringen. Dieses Zeichen ist ein Garant für authentische, hochwertige Handarbeit. Es ist wie die Signatur eines Künstlers – Sie würden bei einem handgemalten Ölgemälde auch nicht den einzelnen Pinselstrich als Fehler bezeichnen.

– Die Goldschmiede Stratmann, Berlin

Welche Form von gravierbarem Anhänger passt am besten zu einer täglichen Halskette?

Die Wahl der Anhängerform ist nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern auch der Alltagstauglichkeit und Langlebigkeit der Gravur. Ein Schmuckstück, das täglich getragen wird, ist ständig in Bewegung. Es reibt an Kleidung, Haut und anderen Schmuckstücken. Bestimmte Formen sind dabei anfälliger für Abnutzung als andere. Ein klassisches, rundes oder ovales Medaillon ist oft die beste Wahl für den täglichen Gebrauch. Es hat keine spitzen Ecken, die sich in der Kleidung verfangen oder an denen die Gravur übermässig abgerieben wird. Die leicht gewölbte Oberfläche bietet zudem einen gewissen natürlichen Schutz für die Gravurfläche.

Rechteckige Anhänger, sogenannte „Bars“, sind minimalistisch und modern und bieten eine gute Gravurfläche. Ihre flache Oberfläche ist jedoch anfälliger für Kratzer und die Kanten können sich mit der Zeit abstossen. Herzförmige Anhänger sind romantisch, aber ihre untere Spitze ist eine kritische Schwachstelle. Sie verfängt sich leicht und ist dem stärksten Abrieb ausgesetzt, was die Gravur an dieser Stelle schnell beschädigen kann. Dog Tags bieten zwar eine sehr grosse Fläche, sind aber durch ihre Grösse und flache Form ebenfalls sehr reibungsanfällig.

Die folgende Tabelle gibt einen schnellen Überblick über die Vor- und Nachteile der gängigsten Formen im Alltagstest:

Anhängerformen im Alltagstest
Form Alltagstauglichkeit Gravurfläche Abriebschutz
Rund/Oval (Medaillon) Sehr gut – keine spitzen Ecken Mittel Gut durch gewölbte Form
Rechteck (Bar) Gut – minimalistisch Gross Mittel – flache Oberfläche
Herz mit Spitze Schlecht – verfängt sich Klein Schlecht an der Spitze
Dog Tag Mittel – gross aber robust Sehr gross Schlecht – grosse Reibungsfläche

Die Entscheidung für eine langlebige Form wird umso wichtiger, wenn man bedenkt, dass immer mehr Menschen in hochwertigen Schmuck investieren. Laut der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse planen fast 0,96 Millionen Deutsche den Kauf von Schmuck im Wert von über 1.000 Euro. Bei einer solchen Investition sollte die Wahl des Anhängers nicht nur dem Herzen, sondern auch der Vernunft folgen, um eine maximale Lebensdauer der wertvollen Gravur zu gewährleisten.

Indem Sie eine Form wählen, die zu Ihrem Lebensstil passt, stellen Sie sicher, dass Ihre Botschaft lange erhalten bleibt. Es ist ein wichtiger Aspekt, um die optimale Anhängerform für den Alltag zu finden.

Häufige Fragen zur Schmuckgravur

Welche Schriftarten eignen sich am besten für kleine Gravurflächen?

Klassische Serifenschriften oder klare Schriften aus dem deutschen Design-Erbe wie DIN 1451 bieten optimale Lesbarkeit, selbst auf kleinstem Raum. Sie sind schnörkellos und ihre Formen sind auch bei starker Verkleinerung noch gut zu erkennen.

Warum zerstört die Graviernadel Schreibschrift-Grossbuchstaben?

Die physische Breite der Graviernadel (ca. 0,1 mm) führt bei den typischen überlappenden Linien von Schreibschrift-Grossbuchstaben zu mehrfachen Überfahrungen derselben Stelle. Dadurch franst das Material aus und die feinen Linien verschmelzen zu einem unleserlichen Strich.

Welche Alternative gibt es zu Schreibschrift-Grossbuchstaben?

Für einen eleganten, aber lesbaren Eindruck eignen sich Kapitälchen (Grossbuchstaben in der Höhe von Kleinbuchstaben) hervorragend. Eine weitere stilvolle Option ist die Kombination aus einem einzelnen grossen Anfangsbuchstaben in Schreibschrift, gefolgt von Kleinbuchstaben.

Geschrieben von Thomas Weber, Thomas Weber ist Goldschmiedemeister aus der Goldstadt Pforzheim mit 25 Jahren Erfahrung in der Schmuckfertigung und Restauration. Er ist Experte für Edelmetalle, Legierungen und die technische Konstruktion von langlebigem Schmuck.